Diese KI-Werkzeuge für die Fertigung sind aus konkreten Problemen im Betrieb entstanden – bei HICONFORM in Freital, einem Gießereimodellbauer mit zehn Mitarbeitern. Keines wurde am Schreibtisch erdacht, um danach einen Einsatzzweck zu suchen.
Fünf der Werkzeuge laufen dort im Alltag, mit echten Aufträgen und echten Mitarbeitern. Eines lernt gerade noch.
Zeichnungsanalyse und Messprotokoll
Das Problem: Zu vielen Aufträgen gehört ein Messprotokoll. Dafür werden Maße aus der Kundenzeichnung abgeschrieben, Prüfnummern gesetzt und Tabellen angelegt – Fleißarbeit, bei der sich leicht Übertragungsfehler einschleichen.
Was das Werkzeug macht: Sie klicken in der PDF-Zeichnung auf ein Maß, die KI liest den Wert ab und setzt eine nummerierte Prüfmarke. Am Ende entstehen die gestempelte Prüfzeichnung, das Messprotokoll als PDF und eine Excel-Liste, direkt im Projektordner. Die Markierungen lassen sich später jederzeit nachbearbeiten.
Was es bringt: Deutlich weniger Abschreibarbeit und weniger Übertragungsfehler im Messprotokoll.
Status: im täglichen Einsatz
Fräszeit-Prognose
Das Problem: Die Laufzeit-Simulation der CNC-Steuerung liegt in der Praxis oft weit daneben, teils um bis zu 60 Prozent. Maschinenbelegung und Nachkalkulation stehen damit auf wackligen Füßen.
Was das Werkzeug macht: Das Werkzeug liest die NC-Programme verschiedener Steuerungen direkt ein und berechnet daraus die Laufzeit. Die Prognose wird mit den tatsächlich erfassten Maschinenzeiten abgeglichen – und mit jedem Auftrag genauer.
Was es bringt: Verlässliche Maschinenzeiten für Planung und Nachkalkulation.
Status: im täglichen Einsatz
Angebotskalkulation mit Lernfunktion
Das Problem: Viele Anfragen werden nie zum Auftrag, kosten aber trotzdem Kalkulationszeit. Und das Erfahrungswissen für eine gute Schätzung steckt oft in wenigen Köpfen.
Was das Werkzeug macht: Das Werkzeug wertet die 3D-Daten des Bauteils und frühere Angebote aus und schlägt die Stunden je Arbeitsgang vor. Die Nachkalkulation abgeschlossener Aufträge soll die Vorschläge künftig weiter schärfen. Die Entscheidung über den Preis bleibt beim Menschen.
Was es bringt: Schnellere, nachvollziehbare Angebote auf Basis der eigenen Erfahrung.
Status: im Trainingsmodus – das System lernt gerade aus echten Angebotsdaten
QM-Dokumentenprüfer
Das Problem: Jedes Jahr dasselbe: Dutzende Dokumente des Qualitätsmanagements nach DIN EN ISO 9001 auf den neuen Stand bringen – Datum, Revision, Archiv, Änderungsprotokoll. Dazu kommen Betriebsanweisungen und Explosionsschutzdokumente im Arbeitsschutz.
Was das Werkzeug macht: Das Werkzeug prüft die Dokumente in Word und PDF, setzt Stand und Revision nach festen Regeln, archiviert alte Fassungen, führt das Änderungsprotokoll und erzeugt die Dokumentenübersicht als Excel. Nebenbei bekommen alle Dokumente eine einheitliche Schrift sowie Kopf- und Fußzeile.
Was es bringt: Der jährliche Durchgang wird zur Routine, und im Audit liegt ein einheitliches System vor.
Status: im täglichen Einsatz
Kontakt- und Vertriebssystem
Das Problem: Kundenpflege läuft im Mittelstand oft über Excel-Listen und das Gedächtnis. Wer wann wieder angerufen werden wollte, geht im Alltag unter.
Was das Werkzeug macht: Das System erinnert an fällige Anrufe und zeigt dazu den bisherigen Gesprächsverlauf. Es plant Besuchstouren mit Fahrzeiten und übergibt Termine an Outlook. Nach dem Telefonat genügen ein paar Stichworte, auch diktiert: Die KI macht daraus eine saubere Gesprächsnotiz, schlägt den nächsten Termin vor und entwirft bei Bedarf eine Nachfass-Mail. Verschickt wird nichts automatisch.
Was es bringt: Kein Kunde fällt mehr durchs Raster, und die Nachbereitung dauert Sekunden statt Minuten.
Status: im täglichen Einsatz
Datenbrücke zur Warenwirtschaft
Das Problem: Die Werkstatt erfasst Material und Fräszeiten in Excel, die Warenwirtschaft braucht dafür eine Importdatei. Das Umwandeln von Hand ist lästig und fehleranfällig.
Was das Werkzeug macht: Das Werkzeug wandelt die als fertig gemeldeten Erfassungen automatisch in Importdateien für die Warenwirtschaft um. Übernommen wird nur, was neu ist.
Was es bringt: Die Zahlen aus der Werkstatt landen ohne Abtippen und ohne Umwege im System.
Status: im täglichen Einsatz
Weitere KI-Werkzeuge für die Fertigung in Entwicklung
Wissensdatenbank
Werknormen der Kunden, Bedienungsanleitungen und bewährte Fehlerlösungen für die CNC-Maschinen an einem Ort und durchsuchbar – damit das Erfahrungswissen langjähriger Mitarbeiter im Betrieb bleibt.
Fertigungsleitstand
Plant Personal und Maschinen auf Grundlage der Betriebsdatenerfassung, lernt aus vergangenen Projekten und zeigt den Stand der Fertigung auf einem Bildschirm im Betrieb. Später sollen auch Kunden den Stand ihres Auftrags verfolgen können.
Passt das zu Ihrem Betrieb?
Die Werkzeuge sind in einem Modellbaubetrieb entstanden. Die Probleme dahinter kennt aber fast jeder Fertigungsbetrieb: Zeichnungen, Angebote, Dokumentation, Daten von A nach B. Wenn Sie wissen möchten, ob sich eines davon auf Ihren Betrieb übertragen lässt, sprechen wir darüber.